A Trip to the end of the world mit Lawinenrucksack

Da wir selbst auch ab und an selbst mit unserem Lawinenrucksack verreisen, möchten wir euch mit einem Blog Beitrag daran teilhaben lassen:

Hey how’s it goin?

Das ist die erste Frage die einem praktisch immer gestellt wird wenn man hier jemandem trifft. Beim Einkaufen, Skifahren, Hitchhiken, überall. Die Menschen hier sind wirklich unglaublich freundlich. Bei Fragen wird einem immer weitergeholfen, ja man muss nichtmal wirklich den Daumen raushalten beim Hitchhiken. Schon bevor man überhaupt an der Straße ist um das zu tun, hält jemand neben einem und frägt ob er dich mitnehmen kann und fährt dich dann noch vor die Haustüre. Super. Ja, ihr fragt euch sicher wo wir sind?winter

Wir sind in Revelstoke, BC. Wer sich jetzt frägt wer, was oder wo Revelstoke überhaupt ist, dem sei gesagt, dass Revelstoke zuallerersteinmal in Kanada liegt. Natürlich liegt es in der Bergen, und natürlich gibt es Schnee. Viele Schnee. Denn sonst wären wir ja nicht hier.

In Revelstoke gibt es: wenige Menschen, 2 Supermärkte, ein paar Bars, mehrere Ski-Gear Shops, ein paar Hotels, eine Skigebiet das sich Revelstoke Mountain Resort nennt und, wer hätte es gedacht, Schnee!

Schnee und Powder in Revelstoke

Meistens so viel, dass es hier dauerhaft nur so aussieht:

schneehausZur besseren Stimmung während des Lesens: PLAY und höre den Revy Powder Song.

Wie ihr seht und lest, sind wir also in Revelstoke. Wir haben hier eine Wohnung (siehe Haus oben) und hatten den Plan hier die Skisaison zu verbringen. Kaum in Revelstoke angekommen, schüttelte Frau Holle kräftig ihre Betten aus. Große, weiße Flocken gleiten langsam vom Himmel herunter, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Alles wird vom fluffigen Gold verschluckt; Häuser, Autos, Bäume, Geräusche.

Der Wecker reißt uns viel zu früh aus dem Schlaf. Ab in die Waffenkammer…

ski-waffenkammer lawinenrucksack
den Lawinenrucksack mit wichtiger Ausrüstung geschnappt, und schnell zum Lift, um ein paar First Tracks zu erwischen. Neben uns dachte sich das wohl auch so ziemlich jeder Revelstoker. Alle gut ausgestattet mit Lawinenrucksack, LVS und Co. gings los.rmr revelstoke
Das Warten wird jedoch belohnt. Oben am Berg erwartet uns tiefster Pow en masse…

weiss
…von Pillows gekrönte Cliffs…sprung
…und unendlich viel göttliches Tree Skiing mit Faceshot-Garantie…schnee-wald
Die Freude trübt nur dann und wann ein kleines Malheur… …irgendwas stimmt doch mit dieser Bindung nicht?!?cliff
Ob Fred, the Fly – der selbst gebaute Skier – repariert werden kann und je wieder im Powder schweben darf, stand zuerst noch in den Sternen. Die herausgerissene Bindung hat jedenfalls einen einstündigen Gewaltmarsch/-krabbel/-fall/-buddelei/-rutsch zur Folge, bis man aus dem vermaledeiten Wald mit seinem sch**ß hüfttiefen Tiefschnee wieder heraus ist. Immerhin gibt’s als Belohnung eine kostenlose Fahrt mit dem Schneemobil zur Gondel. Trotzdem kann uns nichts die Powder Freude nehmen.
Denn wie jeder weiß, Powder macht uuuuendlich glücklich…..stoked wie man in Revelstoke sagen würde.

Dazu aus dem urban dictionary: „stoked“ – adjective – to be „stoked“ is to be completely and intensely enthusiastic, exhilirated, or excited about something. those who are stoked all of the time know this; being stoked is the epitome of all being. when one is stoked, there is no limit to what one can do

Zur Aufstockung unserer Ausrüstung und für ein Quäntchen mehr Sicherheit haben wir uns vor der Reise einen Lawinenrucksack besorgt. Wir haben uns für einen Snowpulse Mammut Lawinenrucksack entschieden.

Gefährliches CliffIn Revelstoke gibt es ein Skigebiet das sich Revelstoke Mountain Resort nennt. Es hat erst im Jahr 2007 geöffnet und es gibt im groben gesagt 3 Lifte, die intelligent plaziert, ein ziemlich großes, steiles und abwechslungsreichen Terrain erschließen. Interessant ist, dass man überall im Wald fahren darf…und es gibt hier so viel davon, dass wir noch nicht wissen wo, wie und ob wir das alles jemals befahren können. Im Skigebiet „inbounds“ ist auch offiziell das gesamte Areal Lawinengesichert. Zum Inbounds Areal gehören auch jede Menge Wälder, Ridges  und Alpine Bowls, so dass einem nicht so schnell langweilig wird. Zusätzlich gibt es einige interessante Touring Möglichkeiten vom Gebiet aus.

Natürlich gibt es auch ein paar markierte und manchmal präparierte Pisten. Auf den Pisten fahren hier aber nicht viele Leute. Wenn bei uns 90% der Leute mit Pistenskiern, 9% mit Twin-Tips und 1% mit breiten Powderlatten untwerwegs sind, dann gibt es hier nur Leute mit breiten Powderlatten. Wobei Menschen am Berg sowieso eher eine seltene Spezies sind. Es sind a) nicht viele Leute unterwegs und b) ist das Gebiet so weitläufig, dass man selten Leuten über den Weg fährt und nie, aber auch nie irgendwo warten muss. Kein Vergleich mit den Alpen am Wochenende! Traumhaft. Aber nicht ganz ungefährlich wenn man denn alleine unterwegs wäre.

killthebankerDie wohl bekannteste Skiroute in Revelstoke geht direkt unter der Gondel steil nach unten und nennt sich „Kill the Banker“. Sie ist mit einigen ziemlich hohen Cliffs gespickt, bei denen einem, wenn man sie mitnimmt, von oben laut applaudiert wird. Die Route gab es offiziell übrigens schon vor der Finanzkrise! Einen Lawinenrucksack braucht man hierfür nicht – man fährt unter der Gondel und innerhalb des gesicherten Bereichs.

schneemannVom Skigebiet hat man an schönen Tagen eine unglaubliche Aussicht über das Columbia Valley. Außerdem lassen sich immer wieder super die Frostmännchen fotografieren die am Gipfel stehen. Natürlich alles Leichen, die bei -20 C erfroren sind.

Allen Freeride-Fetischisten sei ein Blick ins South-Bowl gegönnt mit Powder (fast) ohne Ende, gute Runs sind aber nur (gottseidank) durch hiken erreichbar.

Das Skiegebiet liegt am Mt. Mackenzie.
Nach schweren morgendlichen Motivationsschwierigkeiten entschlossen wir uns schlussendlich doch noch Richtung zum Berg Richtung Gipfel zu wagen. Am obersten Lift Skier und Snowboard auf den Rücken geschnallt und los geht’s… Erster Stop – der Sub-Peak, von wo aus man wieder eine herrliche Sicht ins Tal hat und auf das zwischen den Bergen eingekeilte Revelstoke herunterschauen kann.
mckenzieNach einer guten Stunde Hiken entlang des Grats zwischen North und South Bowl haben wir schließlich die Wolken unter uns gelassen und erreichen die luftigen Höhen von Mt. Mackenzie.

Wie auf einer kleinen Insel in einem endlosen Ozean aus Wolken sitzen wir auf dem Gipfel…

gipfel
…bis uns der böige Wind wieder Richtung Tal treibt. Unberührte Powderhänge finden sich auf der Abfahrt in Richtung South Bowl selbst jetzt , Tage nach dem letzten Schnee, immer noch und zwischen den Bäumen kann man sowieso nach wie vor in der Fluffigkeit baden.

Was es sonst noch in Revy zu tun gibt? Jeden zweiten Abend im Pub Eishockey schauen (worauf die Kanadier total abfahren) oder Retro-Night im Kino, wo alle in flashigen Skioveralls aus den 70ern aufkreuzen und unter lautstarkem Johlen Hot Dog – The Movie gezeigt wird. Und natürlich beim Hitchhiken die wirrsten Gestalten kennen lernen; vom notgeilen „Manager“ mit prolligem Pickup-Truck über einige Pro-Freerider bis hin zu den vergammelsten Ski-Bums, bei deren uralter Karre schon mal die Rückleuchte herunterkracht, wenn man den Kofferraum schließt.

Was tun wenn der naheliegende Powder zerstört, der Schnee in den Alpine-Bowls windgepresst und kein Dump in Sicht ist?  Im Bett bleiben vielleicht? Abends zu viel Bier trinken? Heulen? Keinesfalls. Aufstehen! Felle ran. Powder suchen!   …..und…..     finden!

lawineSkitouren in Revelstoke: Mit Lawinenrucksack

Nun wir hatten da einen bestimmten Hang im Auge, der in einem der Bowls der Cat-Ski Area liegt. (Die Cat kommt da aber nicht hin ..ätsch)

Wir haben 3 Anläufe gebraucht um es zu schaffen. Das erste mal sind wir kläglich am Nebel und an der miserablen Sicht gescheitert und mussten abbrechen als wir die Hand vor Augen nicht mehr gesehen haben. Die Abfahrt war dann auch etwas abenteuerlich, da wir nicht wirklich wussten wo wir waren. 2 Tage später dann der zweite Versuch. Etwas blauäugig sind wir los, und mussten feststellen, dass der eisige Wind uns ganz schön zu schaffen machte. Kaum eine Spur gelegt, war die 5 Minuten später hinter uns kaum mehr zu sehen. Wir sind aber voran gekommen und zwischendurch mussten wir einmal einen Hang abfahren. Ja und dann sollten die Felle in der Kälte wieder drauf. Die meinten aber einfach bei -20 C und 50 km/h Eiswind ihren Dienst nach und nach quitieren zu müssen. Die wollten einfach nicht mehr am Belag kleben bei den Temperaturen. Auch letzte Rettungsversuche mit Panzer-Tape haben das unausweichliche nur hinausgezögert.
Wir waren ziemlich frustiert kurz vor dem Ziel umdrehen zu müssen, haben dann aber trotzdem noch die ein oder andere nette Line gefunden.

montanaface lawinenrucksackAm nächsten Tag haben wir dann den dritten Anlauf unternommen. Das Wetter hat mitgespielt. Es gab nur wenig Wind. Nur hatten wir unsere Rechnung mal wieder ohne die Temperatur gemacht: -39 C° Wind Chill!
Trotz dass unsere Finger und Zehen dem Erfrierungstod nahe waren, haben wir nach 3 h hiking den Gipfel oberhalb des lang ersehnten Hangs erreicht und konnten die Abfahrt mit Big Turns genießen. Ganze 9 Turns habe ich bei meinem Run gezählt. Wuuuuuhaaaaa! So also sehen unsere Powderlosen Tage aus. Ganz schön Scheiße, oder?

Rechts Cliffs. Links Cliffs. Hinten Cliffs. Vorne eine ewig lange Abfahrt mitten durchs Revelstoker Backcountry, fernab aller Lifte und Pisten. Was sollte man in dieser Situation auf jeden Fall vermeiden? Eine herausgerissene Bindung… Endlich sind die selbst gebauten Skier wieder repariert. Auf der Piste, zwischen den Bäumen; überall funktionieren sie einwandfrei. Stresstest bestanden. Wie es so kommen muss, reißt die Bindung erst heraus, nachdem wir den Sub-Peak mühevoll erklommen haben, am Grat enlanggewandert sind; eine neue, steile Line entdeckt haben und gerade soweit ins steile Gelände heruntergefahren sind, dass der direkte Weg zurück nach oben versperrt ist. Dieses Mal traf es übrigens zur Abwechslung die Bindung des rechten Skis. Not amused… Dank Hilfe mit den Skiern und Navigation per Walkie-Talkie endet das Ganze glimpflich.

Wir haben hier vor einiger Zeit auch ein paar Jungs von der Revelstoke Snowboard Association kennengelernt, die hier im Backcountry immer wieder ein paar richtige große Kicker schaufeln.
Ein netter Kollege der ganze gute 5er Rodeos, etc kann, meinte dann mal zu uns:

„I realized you don’t get famous doin‘ pussy shit.“ – Er hatte recht: Heute fährt der Kollege 4* FWQ Qualifier!

roofjumpNun da wir in seinen Augen natürlich nur „pussy shit“ machen, haben wir uns dazu aufgemacht in unserer Hofeinfahrt einen Kicker zu schaufeln und ein bissel zu üben. (Auch wenn es natürlich völlig aussichtslos ist, sein Level zu erreichen. Unser Inrun  ging vom Schneehügel runter in den Hof. Das hat gereicht um nach einigen Versuchen gerade n 3er zu schaffen. Als unser Nachbar dann zufällig mit dem Auto vorbeifuhr kam er 5 Minuten später vorbei und fragte:
„Hey guys, wanna jump of my roof?“  – äh WIE BITTE? ..das haben wir uns nicht zweimal fragen lassen: „Hell Yeah!“

Aber ehrlich gesagt wegen ein bissel in der Hofeinfahrt rumspringen sind wir ja nicht nach Kanada gekommen.
Sondern ihr wisst ja wieso. Und wenn es ab und an leicht schneit, dann dreht sich hier alles nur noch um eins:

schneeOMG POWDER
LOOK!!MORE!

Kündigt sich der weiße Rausch im Wetterbericht an, spielt hier alles verrückt. Geschäfte schließen. Im Schaufenster heist dann: „Due to new Pow, Shop remains closed until 3pm“
Autos rasen um halb 8 durch die 30er Zone vor der Schule mit 60 um schneller am Berg zu sein und werden von der Polizei angehalten. Um 8 Uhr, 30 Minuten vor! die Gondel überhaupt losfäht und das Skigebiet öffnet ist das Lineup gigantisch mit einer Wartezeit von über 1h
Im vorderen Teil des Lineups stehen die Verrücktesten der Verrücken (meistens mit uns) mit den breitesten und längsten Latten die schon seit 7:30 warten
Drängelt man sich im Lineup zu seinen Buddys nach vorne geht ein Raunen durch die Menge und man wird mit Schneebällen beworfen, worauf man sich gleich wieder nach hinten verzieht.
Sitzt man dann endlich in der Gondel dreht sich alles um die ersten Lines. Was machst du? Was hast du geplant? Wo ist der meiste Schnee, wo der beste Powder? Ist das North-Bowl schon offen? Wird Greely-Bowl noch geöffnet bei 30cm Neuschnee?

 Lawinensicherheit ist wichtig

Die meisten Leute die das Skigebiet verlassen haben einen Lawinenrucksack incl.Lawinen Notfallausrüstung dabei und wissen auf was sie sich einlassen.
Gehts dann endlich los sind natürlich alle total stoked und beim Herunterfahren hört man aus allen Richtungen lauter begeisterte Schreie… Yippie!!! Yeeeeeeeeeeeaaah! Woooooooo-hooooooo!
Ja hier in dieser Welt dreht sich alles nur um eins: Powder. Und es gibt hier genug davon. Mit allem was dazugehört.

steilGöttliches Tressksiing
Geilste Pillow-Lines

Ohhhja! Wir hoffen man kann sehen, dass es uns gefällt. Wir können nicht genug bekommen. Bis dahin konnten wir den Schneemassen in Revelstoke nur Positives abgewinnen, wie man dem bisherigen Blogeintrag leicht entnehmen kann. Der tiefe Powder ist göttlich zum Skifahren, die fluffigen Pillows auf allen Dächern verbreiten einen heimeligen, verschlafenen Charme und die riesigen Schneeberge neben den Straßen wirken schlichtweg beeindruckend. Also, immer her mit der weißen Pracht!

deeppowDer viele Schnee zeigt seine Schattenseite, wenn man vor der undankbaren Aufgabe steht mit dem Auto nach Calgary zu fahren. Kaum eine halbe Stunde nach Revelstoke ist der Highway gesperrt – Unfall. Umso bedenklicher stimmt uns  der starke Schneefall, welcher den bevorstehenden Rogers Pass schnell unpassierbar werden lassen kann. Mit dem Damoklesschwert der Straßensperrung unheilvoll über uns sinkt die Stimmung in Richtung Außentemperatur.

Nach etwa einer Stunde Warten geht es aber glücklicherweise weiter und wir lassen den Rogers Pass hinter uns. Der nächste Unfall lässt nicht lange auf sich warten; jedoch besitzt der Trucker die Güte, seinen Lastwagen in den Straßengraben zu setzen statt die Fahrbahn zu blockieren. Der nächste Trucker zeigt diese Freundlichkeit nicht und beschließt, seinen Lastwagen auf einer Brücke quer zu legen. Komplettsperrung, weitere zwei Stunden warten.

Die Langeweile vertreiben wir beim Plaudern mit einem Trucker.

Wim, the Trucker: “I got custom seven inch pipes.”

J: “What advantage do bigger pipes have?”

Wim, the Trucker: “They look cool, eh!”

Rückfahrt. Mittlerweile sitzt jemand gemütlich am Flughafen in der Business Class Lounge und ich mache mich alleine auf den Weg in Richtung Revelstoke. Die Fahrt verläuft ebenso langweilig wie ereignislos, bis der Regen im Banff National Park in Schnee umschlägt. Der beständig fallende Schnee verschlingt schnell die Spuren der vereinzelten Autos; übrig bleibt eine weiße Fläche ohne jedes Anzeichen, wo der Straßengraben und wo die Gegenspur beginnt. Langsam taste ich mich also durchs Schneetreiben vorwärts. In Golden – 150 km vor Revelstoke – werde ich dann herausgewunken: Rogers Pass ist gesperrt. Das Dörfchen ist total überfüllt, auf jeder freien Fläche reiht sich Lastwagen an Lastwagen und Auto an Auto. In jedem Fahrzeug läuft im Radio der Traffic Channel, auf dem beständig die aktuelle Straßenlage wiederholt wird. Wie versprochen kommt nach anderthalb Stunden, um 3:30 Uhr endlich ein Update:

“…however, westbound from Golden remains closed until 6 pm with a low level of confidence.”

Eine Zwangsübernachtung im Auto hat gerade noch gefehlt. Die Geschichten von Trucker Wim geistern im Hinterkopf herum…

Wim, the Trucker: “In the big snow storm this January the pass was closed and I was stuck on the Calgary side for three days. By the end they were running out of stuff everywhere. You couldn’t even get chicken anymore ‘cause they simply didn’t have any.”

tiefschneeUm genau 6:52 Uhr – man hat ja nichts anderes zu tun, als vor dem Radio zu hängen – wird der Rogers Pass dann völlig unerwartet geöffnet. Auf einmal kommt Bewegung in die Blechmassen und alles strömt in Richtung Highway. Endlich, nach „nur“ drei Stunden Warten…

Im Schritttempo geht es den Pass hinauf. Nach einer guten Stunde stellt sich heraus, dass nicht etwa wie üblich die mit den kritischen Straßenbedingungen kämpfenden Lastwagen, sondern ein übervorsichtiger Autofahrer für das nervtötend langsame Tempo verantwortlich ist. Im Schneckentempo kriecht der Fahrer den Berg hinauf, steigt dabei alle paar Sekunden in die Eisen und verhält sich alles in allem genau gegenteilig zu den Tipps von Trucker Wim.

Wim, the Trucker: “No braking, no sudden movements. You gotta float through the curves, eh.“

Durch das dröhnende Hupen der Lastwagen lässt sich der Fahrer jedoch keineswegs aus der Ruhe bringen und denkt auch nicht im Entferntesten daran, die anderen Fahrzeuge an einer geeigneten Stelle passieren zu lassen. Schlussendlich zwingt er mit seiner übervorsichtigen Fahrweise sogar den letzten Trucker zum Überholen, was auf der ungeräumten, rutschigen Straße keine ungefährliche Aufgabe ist.

Das einer halbleeren Taschenlampe ähnelnde Licht des Mietwagens durchdringt die mittlerweile hereingebrochene Dunkelheit und das dichte Schneetreiben kaum. Wie ich per SMS erfahre, wurde der Pass aufgrund erneuerten Lawinenabgangs mittlerweile schon wieder geschlossen, was die Fahrt auch nicht gerade entspannter macht. Langsam, aber stetig geht es voran. Nach knapp zehn Stunden Fahrt erreicht man schlussendlich ziemlich müde und entnervt Revelstoke. Zumindest für diesen Tag hatten wir definitiv genug von all dem Schnee!

WolkenNach fast zwei Monaten Freeriding musste aber mal Schluss sein mit der ewigen Kälte und dem ewigen Schnee hier, dachten wir uns (kurz) und haben unseren Road Trip gestartet. Unsere Oberschenkel brauchten dringend Erholung; Erholung, die in Revelstoke nicht zu bekommen ist. Wir sind also in Revelstoke aufgebrochen um nach 8h Fahrt abends in Vancouver anzukommen.

vancouver CityAm nächsten Tag, ein bissel von der Mündigkeit gepackt, haben wir unseren ächzenden Knochen und Muskeln Sightseeing zugemutet. Erholung war also wieder nicht angesagt. Vom Tower der Stadt genießt man eine super Aussicht über Vancouver. Aber auch die Fernsicht war nicht ohne und so ist unserem geschulten Auge das hier natürlich nicht entgangen. Genug Sightseeing. Unser nächstes Ziel war somit klar. Und die Freerider unter euch wissen wovon wir reden. Nein, das ist nicht Whistler. Ebenfalls klar: Keine Erholung in Aussicht.

Mt Baker PowderSpätestens seit dem Skifilm „Believe“ ist der amerikanische Skiort südlich der kanadischen Grenze für viele der Inbegriff für bodenlosen Tiefschnee. Unter anderem hält Mt. Baker auch den Weltrekord für die höchste jemals in einer Skisaison gemessene Neuschneemenge – unglaubliche 30 Meter.powder lawinenrucksack

Nichts wie hin. Nachdem die endlose Passkontrolle überstanden ist und sämtliche Fingerabdrücke sicher in der Datenbank des US-Heimatschutzministeriums gespeichert sind erreichen wir nach dem monotonen Gegurke durch die amerikanische Einöde den Berg. Mt. Baker empfängt uns wie erhofft mit massig frischem Powder; die Homepage verkündet:

expertsonly Mt Baker“Mt. Baker has been receiving some of the driest, lightest powder snow it has ever seen and more is expected ALL week long.” Ansonsten zeichnet sich Mt. Baker durch seine kompromisslose Nicht-Familienfreundlichkeit aus – Uralte, ungebremste Sessellifte ohne Sicherheitsbügel führen in Terrain, das ausdrücklich nur für Experten ist sowie einige plakative Warnungen für uns Skiverrückte, die „normale“ Warnschilder vor Cliffs nur als Aufforderung zum Springen betrachten („Nicht überlebbarer Felsabbruch“).

Tödliches CliffVerrückte Leute wie wir, die nur zum Skifahren hier herkommen nennt man hier (wie überall) Ski-Bums und wir möchten soooo gerne als Ski-Bums bezeichnet werden. Ski Bums sind notorisch knapp bei Kasse, arbeiten nebenher in ner Bar, wohnen zu zehnt in einer Bude für 5, trinken jeden Abend 7 Bier und sind sicherheitstechnisch schlecht bis gar nicht ausgerüstet. Ein paar kleinere Unterschiede sind uns dabei leider aufgefallen:

klippeWir haben noch Geld auf dem Konto (wenn auch nicht mehr viel), arbeiten nicht, wohnen zu zweit in einer Wohnung, trinken zu wenig Bier und sind gut ausgerüstet. Sogar mir Lawinenrucksäcken. Das Leben als Skibum fällt uns in Mt. Baker allerdings zugegebenermaßen etwas schwer. Die billigste Absteige, die wir finden konnten, ist nämlich recht schick und abends müssen wir es uns im Hot Tub gut gehen lassen… Nicht wirklich dem Leben eines Skibums entsprechend, aber wer wird sich schon beschweren?

Unsere 3-monatige Reise haben wir und unsere Ausrüstung einigermaßen überlegt. Bis auf herausgerissene Bindungen gab es keine größeren Ausfälle wenn man von zerrissenen Handschuhen, gebrochenen Skistöcken, gebrochenen Brillengläsern, nicht mehr klebenden Fellen mal absieht. Unser intensiv Lawinenrucksack Test in Kanada ist gut ausgegangen, der Rucksack hat die Reise gut überstanden.

Den Blog kurz zusammengefasst: We love Revelstoke.

A Trip to the end of the world mit Lawinenrucksack
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